Landeshauptarchiv Schwerin

Baudenkmal

Der neuklassizistische Putzbau entstand von 1909 bis 1911 nach Entwürfen des Bau- und Ministerialdirektors Paul Ehmig. Er wurde eigens für die Lagerung von Archivalien geschaffen und war eines der letzten Bauten des Großherzogs Friedrich Franz IV. Die moderne Architektur mit Stahlgerüst, Betonpfählen, Aufzug und Klimatisierung war außerordentlich fortschrittlich. Das Archiv ist eines der bedeutendsten in Deutschland und umfasst einen reichen Bestand aus 800 Jahren Mecklenburg. 

Hinter dem heute zweigeschossigen Verwaltungsgebäude mit vierachsigem, dreieckig übergiebeltem Mittelrisalit ragt der sieben-geschossige Archivturm hervor. Die Fassade ist vertikal gegliedert und dezent mit Jugendstil-elementen geschmückt. Das Gebäude wurde 2007 umfassend saniert und konnte 2010 wieder bezogen werden.

Knapp 23.000 Regalmeter des Archivs werden von Akten belegt. Außerdem umfasst die Sammlung über 100.000 Karten und Pläne, umfangreiche Fotosammlungen, Luftbilder, Historische Handschriften und Drucksachen, Genealogische Sammlungen, Plakate und Flugblätter, Wappen, Siegel und Siegelstempel. Die älteste von circa 15.000 Urkunden stammt aus dem Jahre 1158.

Das Landeshauptarchiv entstand 1701 durch die Zusammenlegung der beiden Residenz-Archive Güstrow und Schwerin, das in der einstigen Hofdornitz des Schweriner Schlosses untergebracht war. Gemeinsam mit dem Urkundenarchiv wurde es 1779 zum Geheimen und Hauptarchiv des Herzogtums (ab 1815 Großherzogtum) Mecklenburg-Schwerin vereint. 1835 siedelte der gesamte Bestand in das neue Kollegiengebäude I (heute Staatskanzlei) um. 1911 erfolgte dann der Einzug in das Archivgebäude an der Graf-Schack-Allee, das Paul Ehmig so geplant hatte, dass es in zwei Ausrichtungen erweitert werden konnte.

"Ehmigs Anspruch war es, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen und einen Beitrag zur Ästhetisierung der Umwelt, aber auch des Interieurs, zu leisten. Ein Kreis um den englischen Architekten, Kunstgewerbler und Publizisten William Morris (1834 – 1898) gelangte schon Jahre zuvor zu der Überzeugung, dass das Kunstgewerbe zum Ausgangspunkt einer allgemeinen Reform der Künste, auch zu einer Erneuerung der Architektur, führen müsse. Dieses Ziel erreichen zu können verlangte, die gesamte Entwurfsarbeit vom Gründungs- und Hochbau bis zur Innenraumgestaltung an sich zu binden und die Zusammenarbeit mit künstlerisch geschulten Handwerkern zu suchen. Ein Anspruch, den bereits Karl Friedrich Schinkel erhoben hatte. Welche Aufmerksamkeit Ehmig dem kunsthandwerklichen Schaffen widmete, machen an unserem Archiv die reichen Metall- und Glasarbeiten deutlich. Zu nennen sind die Haupttür, das Brüstungsgitter der Fenster über dem Portal, die Treppengitter und Deckenleuchten sowie die Schablonenbemalung und die Farbverglasungen. Die flächig gestalteten Farbfenster wurden Teil der gesamten Wanddekoration. (…) Auf Ornamente und reiche Profilierungen hatte er in seinem Entwurf verzichtet. So sollte die Eingangsachse im Material besonders betont und eine kostbare Tür das einzige Schmuckstück der Fassade werden."



Aus: Dieter Zander:

Der Archi

vbau Paul Ehmigs in Schwerin:

https://www.kulturwerte-mv.de/serviceassistent/_php/download.php?datei_id=57879


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